Bestimmungkurse

Bestimmungskurs

 

Da mich alles um das Thema Vogelspinnen stark interessiert war es nur eine Frage der Zeit, um einen Bestimmungskurs von Volker von Wirth zu besuchen.

 

Im Jahre 2006 wurde von der VSIG-Franken ein Kurs angeboten, Leiter des Kurses war Volker von Wirth welcher extra dazu anreiste. Der Kurs fand an der Uni Erlangen Abteilung Biologie statt.

 

Am ersten Tag waren die ersten Stunden voll von Theorie. Volker erklärte uns auf anschauliche Weise, mit Unterstützung seines Laptops,  welche taxonomische Merkmale für eine sinnvolle Beschreibung benötigt werden bzw. herangezogen werden.

 

Gegen 14:00 Uhr wurde dann mit dem praktischen Teil begonnen. Als Leitfaden diente uns der Bestimmungsschlüssel aus dem Buch "Vogelspinnen" von Dr. Günther Schmidt (3. Auflage). Obwohl dieser in vielen Bereichen fehlerhaft ist, so ist er dennoch ausreichend, um grundsätzlich zu erklären, wie man mit einem dichotomen Bestimmungsschlüssel arbeitet.

 

Vorbereitung der Exuvie zur Bestimmung:

- Exuvie einweichen mit einer Wasser gefüllten Pipette 
- Nach kurzer Einwirkzeit die überschüssige Flüssigkeit mit einem Stück Vlies (z.B. Küchenpapier) entfernen

- Zettel mit Beschriftung Chelizere, Taster, Bein eins und Bein vier

- Abschneiden der rechten Chelizere mit einer spitzen Schere
- Abschneiden des rechten Tasters und des ersten Laufbein, sowie vom Bein IV mitsamt der Coxa ( dies war für mich der schwierigste Teil, die feine filigrane Abtrennung der Laufextremitäten ohne die Coxa zu beschädigen)

Bestimmungskurs 2006 Erlangen
Bestimmungskurs 2006 Erlangen

Zuerst suchten wir nach Stridulationsborsten bzw. einer Scopula an der Chelizerenaußenseite. Anschließend untersuchten wir die Tastercoxa und ihren evtl. vorhanden Stridulationsborsten. Danach folgte die Suche nach der Bestachelung auf dem Metatarsus von Bein vier. Je nach Weg des Bestimmungsschlüssels wurde öfters auch mal falsch abgebogen.

Bei auftretenden Problemen stand Volker mit Rat und Tat zur Seite.

Bein 4 von Brachypelma albiceps
Bein 4 von Brachypelma albiceps

Am nächsten Tag, welches ich als Höhepunkt des Kurses ansah, wurde uns das herauspräparieren der Spermathek aus einem in 70%igem Alkohol präparierten Weibchen gezeigt. Großzügig trennt  Volker den Bereich zwischen den beiden Buchlungen und der Epigastralfurche mit einer spitzen Schere heraus.
Der herausgetrennte Bereich wurde dann zusammen mit Milchsäure in ein Reagenzglas überführt und über einer Flamme ein paar Minuten aufgeheizt. Aufgrund der Milchsäure wurde das Fleisch von der chitinhaltigen Spermathek entfernt.
Danach schauten wir uns das Resultat mit Hilfe eines Binokulares, welches mit einer Kamera an einen Beamer angeschlossen war, auf einer Leinwand an. Das Ergebnis sah aus, wie die Spermathek in einer Exuvie. Weiterführend ist die »ARACHNE« (11)6, 2006

 

Ein sehr interessantes Wochenende neigte sich dem Ende. Viel Neues und Wissenswertes wurde uns bei dem Kurs vermittelt.

Bestimmungskurs
Bestimmungskurs

Nachdem Jahre vergangen waren und das Wissen eingerostet war, wurde es wieder Zeit für eine Auffrischung des erlernten.

 

Im Jahre 2009 wurde von der IG Stuttgart ein Bestimmungskurs angeboten, welcher wieder unter der Leitung von Volker von Wirth war.

Diesmal wurde der Samstag als der kürzere Tag auserwählt.

Hier wurde unter anderem Betäuben von Vogelspinnen mit Backpulver vorgeführt. Da am selben Tag Börse in Ulm war, konnte ich bei der Vorführung nicht zu gegen sein. Am Sonntag erklärte Volker mir die Methode theoretisch.

 

Am Sonntag fingen wir mit der Bestimmung an, wie oben beschrieben.

Diesmal bekam ich und mein Binukolar Kollege vom Volker eine Exuvie zur Bestimmung überreicht. Anhand der Optik handelte es sich um Psalmopoeus cambridgei, nach dem Bestimmungsschlüssel aus dem Buch "Vogelspinnen" von Dr. Günther Schmidt (3. Auflage) nicht. Wir gelangten zur Gattung Poecilotheria.

Herr Hämerle hatte eine Berichtigung von Dr. Günther Schmidt anbei, durch welche wir diesmal auch bei Psalmopoeus angelangt waren.

 

Im Anschluss des Kurses bekam ich vom Volker eine Ausgabe der Arachne (»ARACHNE« (11)6, 2006) ausgehändigt, da diesmal der Teil der Präparation von Vogelspinnenspermatheken am Samstag stattfand.

 

Für jeden der sich mit den Grundzügen der Taxonomie und Systematik von Vogelspinnen auseinandersetzen möchte, ist dieser Kurs wärmsten zu empfehlen.

 

Ein dickes Lob für die freundliche, hilfsbereite und kompetente Leitung des Kurses durch Volker von Wirth.